Das Schlossmodell im Heimatmuseum

Das heute im Heimatmuseum zu besichtigende Modell des Schlosses war nicht das erste in Wolfratshausen.

An der Grund- und Mittelschule am Hammerschmiedweg gab es bereits ein früheres Modell, das nach Aussage einer ehemaligen Schülerin dort auf dem Speicher stand. Ein Wasserschaden am Gebäude zerstörte dieses Modell, und im Zuge von Renovierungsarbeiten wurde es dann entsorgt. (Wenn es noch jemanden gibt, der mehr zu diesem Modell sagen kann, bitte bei uns melden!)

BVW, Erstes Modell Schloss Wolfratshausen

Burgmodell in der Schule am Hammerschmiedweg (Foto Heimatmuseum)

Wie kommt Wolfratshausen zum heutigen Schlossmodell?
Es war Franz Heidl, 1. Schützenmeister der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft, der zum Festzug des 25-jährigen Stadtjubiläums die Erstellung eines Modells zusagte, ohne zu ahnen, mit welchem Aufwand dies verbunden sein würde.

In der darauf folgenden Ausschusssitzung lehnten die Mitglieder des Schützenmeisteramtes und des Gesellschaftsausschusses die Aufgabe ab, da die Vorbereitungen zum 675-jährigen Gesellschaftsjubiläum bereits auf Hochtouren liefen. Der damalige Bürgermeister von Wolfratshausen, Erich Brockard, wollte aber unbedingt ein Burgmodell haben und hoffte darauf, dass die älteste Wolfratshauser Vereinigung dieses Modell erstellen würde.
Widerwillig erklärte sich FSG-Mann Georg Hoffischer (28.8.1927–10.9.2012) letztlich doch damit einverstanden.
 
BVW, Bgm. Erich Brockhard

Erich Brockhard

 

Nach welchen Unterlagen sollte das Modell angefertigt werden, wie sah der Grundriss der Burg aus?
Außer den beiden Kupferstichen der Burg von Michael Wening (1645–1718) gibt es noch ein Fresko von Hans Thonauer (1521–96) in der Münchner Residenz, das aber mit den Stichen Wenings nicht vergleichbar ist. Thonauer hat dieses Fresko bereits 1585 gemalt, es zeigt einen sehr viel früheren Zustand der Burg. So entschied sich Georg Hoffischer, den letzten Zustand des Schlosses – von Anfang des 18. Jahrhunderts – im Modell umzusetzen.

BVW, Plan Kapelle St. Andreas   Auf der Suche nach verwertbaren Unterlagen war Hoffischer in verschiedenen Archiven unterwegs. Anhand eines Planes, den er im Bayerischen Hauptstaatsarchiv fand, wurden die Größe und das Aussehen der Nikolauskapelle bestimmt.
Wie wir heute wissen, handelt es sich bei diesem Plan aber um einen Plan der Kirche St. Andreas am Wolfratshauser Marienplatz. So unterlag also Georg Hoffischer einem Irrtum. Die Nikolauskapelle hat mit Sicherheit etwas anders ausgesehen.

Plan (1619) der Kirche St. Andreas am Marienplatz in Wolfratshausen, Bayerisches Hauptstaatsarchiv (BayHStA) Plansammlung 20560

Den Grundriss leitete er aus einer alten Wasserstraßenkarte ab, die er im Bayerischen Hauptstaatsarchiv fand. Darauf war zumindest der Grundriss des Schlosses angedeutet. Es lässt sich leider heute nicht mehr nachvollziehen, welche Karte es war, die Georg Hoffischer hier als Vorlage gedient hat.

Der Bau des Modells
Hans Hummel, ein Kollege Hoffischers, bastelte dann nach dessen Plänen die Modellkörper; die Hohnheisers und Hans Pflugbeil –, ebenfalls Mitglieder der Königlich privilegierten Feuerschützengesellschaft – tapezierten die Fassadenpläne auf die Baukörper und modellierten den Burgberg.

BVW, Modell Schloss Wolfratshausen

Ansicht des Schlosses von Südwesten (Foto Heimatmuseum)

Das fertige Modell wurde unter Eigentumsvorbehalt 1987 an die Stadt Wolfratshausen übergeben und kann heute im Heimatmuseum besichtigt werden.

BVW, Schlossmodell-Besichtigung 2004/ILB

von links: Georg Hoffischer, Christian Steeb, Hubert Lüttich, Sebastian Hohenadl,

Kurt Graf, Paula Wühlleitner, Christian Reg, Bodo Beyer und Wilma Faust

Zeitungsartikel im ILB vom 8.1.2004 (Foto: red)

Noch ein Modell?
Wir von Burgverein haben uns zum Ziel gesetzt, die gesamte Entstehungsgeschichte – von der ersten befestigten Veste bis hin zum späteren Schloss – zu erforschen. Dazu wollen wir nach Vorliegen der Ergebnisse soweit möglich digitale Modelle der einzelnen Bauphasen erstellen. Nach Abschluss der Arbeiten werden wir die Ergebnisse hier vorstellen.

BVW, Schloss, CAD-Modell Alfred Fraas

CAD-Modell von Alfred Fraas

Text: Nach Gesprächen von Torsten Sjöberg mit Georg Hoffischer, basierend auf dessen Aufzeichnungen von 1994 zum Bau des Burgmodells – PDF

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