Der Haderbräukeller

Der schönste Biergarten im Isartal
Mit den letzten Steinen des Wolfratshauser Schlosses erbaut, war der „Haderbräukeller“ (bei Münchner Str. 19) einst mit seinem Biergarten ein beliebtes Ausflugsziel im Isartal.

BV, Haderbräukeller, Flurkarte 1865

Flurkarte aus dem Jahr 1865.
Der Haderbräukeller mit Biergarten am Fuß des Schlossberges

1782 errichtete die Münchner Wirtstochter Maria Franziska Arnold am Mühlberg auf ödem Gemeindegrund den Haderbräukeller. Der damalige Landrichter Kajetan von Eckher überließ ihr dafür die letzten Steine der Schlossruine.

BV-W, Haderbräukeller, Aquarell 1874

Der Haderbräukeller um 1870. Aquarell von O. Numberger

(Das romantische Bild zeigt auch das Schloss,

das zu dieser Zeit aber längst nicht mehr existiert).

Nach und nach erweiterte man den Biergarten und vergrößerte das Anwesen durch Um- und Neubauten. Eine offene hölzerne Kegelbahn sorgte für Kurzweil. Auch eine Schießstätte hat es gegeben. Dort fand z.B. am 5. Juli 1843 ein Festschießen, gestiftet von Michael Grünwald, statt.

BV-W, Haderbräukeller, Schützenscheibe 1843

Ein schöner Tag im Jahr 1843 (Ausschnitt Schützenscheibe)

BV-W, Haderbräukeller, Biergarten 1880

Aufnahme um 1880 (Hier kann man sehr gut die schöne Aussicht erkennen.)

BV-W, Haderbräukeller, Biergarten 1898

Biergartenbetrieb im Jahr 1898 (Ausschnitt Postkarte)

BV-W, Haderbräukeller, Biergarten 1900

Biergarten um 1900 (Ausschnitt Postkarte)

Über 130 Jahre lang konnte der Haderbräukeller so betrieben werden.

BV-W, Arthur Griehl,  Blick auf Wolfratshausen

Blick auf Wolfratshausen, Ölgemälde von Arthur Griehl (1879–1955)
Veröffentlichung hier mit frdl. Genehmigung des Heimatmuseums

Übernahme durch die „Genossenschaft für gährungslose Fruchtverwertung“
1873 hatte Carl von Linde die erste Kühlmaschine zur Erzeugung von künstlichem Eis entwickelt. Im Lauf der Zeit wurden Bierkeller somit überflüssig. Nach dem Ersten Weltkrieg war der einst so gut besuchte Biergarten alt und morsch geworden. Das Geschäft ging zurück.
1920 wurde das Anwesen von einer Obstverwertungs-Genossenschaft erworben, aus der später die Firma Wolfra-Säfte hervorging.

BV-W, Haderbräu, Eingang Keller 1920

Der Haderbräukeller 1920 nach der Übernahme

durch die „Genossenschaft für gährungslose Fruchtverwertung“.

Sehr gut zu erkennen sind die mächtigen Tuffsteinblöcke

als Stützmauer am rechten unteren Bildrand.

1930 wurde mit dem dringend notwendig gewordenen Ausbau begonnen. Von dem alten, 400 Quadratmeter großen Keller, standen noch zwei Drittel der Umfassungsmauer mit Kellerdecke. Darauf wurde der Erweiterungsbau aufgesetzt.

BV-W, Haderbräukeller 1930

Nach dem Erweiterungsbau 1930

BV-W, Haderbräukeller, Wegeanlagen

Neu erbaute Wegeanlagen zur Anfuhr des Rohmaterials

(auf dem Plateau des ehemaligen Biergartens)

Wo früher Bierfässer lagerten, wurde ab 1930 Süßmost produziert. 1937 wurde die Firma in „Albert Stumpf KG“ umbenannt.

Mit dem Sohn des Firmengründers Albert Stumpf hatte ich im September 2012 ein nettes Gespräch, bei dem er mir einiges zur Geschichte der Saftproduktion und des alten Gewölbe-kellers erzählen konnte.
So hat es seiner Erinnerung nach in diesem Keller einen breiten Gang bis ans hintere Ende gegeben (dort hat damals die Flaschenreinigungsanlage gestanden). Vom Eingang her auf der linken Seite gab es vier Kellerräume, auf der rechten Seite waren es am Eingang ein kleiner und dahinter ein großer Lagerraum. Unterirdische Gänge, von denen einer sogar bis zum ehemaligen Schloss hinauf gegangen sein soll, kannte er nicht. Auch Gerüchte darüber hat es zur damaligen Zeit nicht gegeben. Daher ist ein solch unterirdischer Gang an der Stelle auch sehr unwahrscheinlich.
Der Keller war bei der Firma Wolfra noch bis 1954 in Betrieb.

Was ist heute davon übrig geblieben?
1939 zog die Fa. Wolfra wegen akuten Platzmangels nach München. Das Firmengelände wurde nicht mehr gebraucht. Die Gebäude mussten 1954 dann dem Ausbau der Münchner Straße weichen. Die kaum 25 Jahre alten Firmengebäude und die alten Gemäuer des ehemaligen Bierkellers wurden während dieser Baumaßnahme fast vollständig abgetragen. Auch der ehemalige Biergarten ist heute kaum noch als solcher zu erkennen. Lediglich einige alte Stützmauern zeugen von dem einst so geschäftigen Treiben.

BV-W, Haderbräukeller, Tuffsteine Burg

Eine der erhaltenen Stützmauern besteht aus Tuffsteinbruchstücken.

(Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit davon auszugehen,

dass es sich dabei um Baumaterial
der ehemaligen Burg handelt).

Gab es an der Stelle bereits früher einen Kühlkeller?
Warum wurden 1782 die Kellergewölbe für den Bierkeller gerade an dieser Stelle errichtet? Gab es an der Stelle etwa bereits einen bestehenden Keller oder Stollen, der übernommen und erweitert werden konnte? Auf dem Kupferstich von Michael Wening aus dem Jahre 1701 ist am linken unteren Rand genau am Standort des Haderbräukellers ein Gebäude mit großem Tor zu erkennen.

BV-W, Haderbräu, Kühlkeller

Dieser und vielen anderen offenen Fragen möchten wir mit unserer Vereinsarbeit im Laufe der Zeit auf den Grund gehen. Neue Erkenntnisse werden wir natürlich umgehend hier vorstellen.

Text/Fotos: Torsten Sjöberg – Foto Bild Arthur Griehl: Marianne Balder – PDF

Quellen
Josef Schnellrieder: Geschichte des Marktes Wolfratshausen, Band II (nicht veröffentlichtes Manuskript), StAW 0–102
Andreas Stumpf: Heimat- und Familienforschung, 1950, StAW 0–3.02
Cornelia Baumann-Oelwein: Der Haderbräu in Wolfratshausen, 1994, StAW 1–4.03

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