2013 Veranstaltungen

27.9.13 – Methoden und Erkenntnisse der Burgenforschung
Vortrag von Dr. Joachim Zeune
Bericht mit Bildmaterial von Dr. Joachim Zeune und von Marianne Balder – PDF

BV-W, Dr. Joachim Zeune

Burgen sind kein Platz des Krieges, sie werden nicht nur als Schutzwehr, sondern auch aus Erwerbssucht, ja nicht selten für den Raub gebaut.
Bis zum 16. Jh. herrscht absolute Gottesgläubigkeit: Alles ist gottgeschaffen und gottgewollt.
Ab dem 16. Jh. beginnt der Geist der Aufklärung und der Symmetrie von Renaissance und Barock. Nun gestaltet der Mensch.
Ab dem 18. Jh. wird das Mittelalter verklärt. Das findet auch Ausdruck in der Literatur (Schiller, „Ritter Toggenburg“), der Musik (Wagner, „Siegfried“) und der darstellenden Kunst (Moritz von Schwind)
. . . mehr

Mit Joachim Zeune, seit vielen Jahren Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Burgenvereinigung und des Kuratoriums des Europäischen Burgeninstituts, kam einer der renommiertesten Burgenforscher Europas nach Wolfratshausen. Der promovierte Mittelalterarchäologe erforscht, saniert und erschließt seit 1995 mit seinem Büro für Burgenforschung – Dorfstr. 16, 87637 Eisenberg-Zell – Burgruinen und Burgen in ganz Mitteleuropa. Er verbrachte etliche Jahrzehnte seines Lebens in München-Solln und kennt daher auch die oberbayerische Burgenlandschaft genau. 
In seinem reich bebilderten Vortrag schilderte Dr. Zeune, mit welchen neuen wissenschaftlichen Methoden die moderne Burgenforschung zu einer völlig anderen Sicht auf die hoch- und spätmittelalterlichen Burgen gelangte und wie sich diese darbietet. Weiterhin zeigte Dr. Zeune Wege und Mittel auf, wie man selbst an abgegangenen Burgen – sog. Burgställen –  zu bauhistorisch auswertbaren Ergebnissen gelangen kann, die dann mitunter sogar virtuelle Rekonstruktionsversuche ermöglichen. Auch die ehemalige Burg Wolfratshausen wurde unter diesen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen.

PRESSE
2.10.13 – merkur-online – Nina Daebel
Ein Experte macht Mut
Die Wolfratshauser Burg könnte virtuell rekonstruiert werden, erklärte Joachim Zeune in seinem Vortrag „Methoden und Ergebnisse der Burgenforschung“.

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17.8.2013 – Kulturgeschichtlicher Spaziergang zur Keltenschanze und zur Kindswieskapelle bei Neufahrn r.d.I./Egling
Führung von Monika Kroiss M.A.
Bericht mit Fotos von Marianne Balder – PDF

BV-W, Keltenschanze bei Neufahrn

Die Keltenschanze von Neufahrn r.d.I. liegt südlich des Ortes im Gemeindegebiet von Egling in freiem Gelände und ist auch für ein ungeübtes Auge als solche zu erkennen. Fälschlicherweise bekam sie den Flurnamen Römerschanze.
Im Innenraum misst die Schanze ca. 130–180 m mit durchgehend erhaltenem, steil geböschtem Wall und Graben im Westen (Wallabfall nach innen über 2 m, nach außen über 3 m; Differenz zwischen Grabenrand und Grabensohle noch 1,2–2,5 m).
Im Norden und Süden mehrfach unterbrochene oder an der Innenseite abgeschürfte Wallzüge, die von geringen Grabenresten begleitet werden. Die Torlücke liegt im Osten und ist auf etwa 20 m erweitert. Wall und Graben sind im Westen gut erhalten, sonst weitgehend verebnet . . .

Meist finden sie sich auf leichten Hängen und im Flachland, auf gutem landwirtschaftlich zu nutzenden Boden. Eine Schanze wird von einem Graben umfasst, dessen Aushub den Wall bildet.

BV-W, Keltenschanze bei Neufahrn, Wallgraben

Film-Tipp: The Celts – Lost Treasures Of The Acient World (in Englisch!)

Die KINDSWIESKAPELLE, die zum Dank für ein vermisstes und schließlich wieder gefundenes Kind errichtet wurde und ein schönes Beispiel für die Volksfrömmigkeit in dieser Gegend darstellt, ist ein original frühneugotischer Bau aus der Mitte des 19. Jh. mit Ausstattung aus derselben Zeit.

BVW, Kindswieskapelle bei Neufahrn

Das Gebäude setzt sich zusammen aus dem niedrigen Schiff mit Tonnengewölbe und dem höheren, mit einer Stichkappentonne überwölbten Chor mit fünfseitigem Abschluss. Pilaster flankieren das Eingangsportal, darüber befindet sich eine halbkreisförmige Öffnung. Oberhalb des Chors hat das Zeltdach einen quadratischen Dachreiter
. . . mehr

Presse: Das Gelbe Blatt v. 24.8.13

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5.7.2013 – Archäologie mit den Methoden der Physik, Möglichkeiten und Grenzen
Vortrag von Dr. Joachim Pechtl
Bericht mit Fotos von Marianne Balder, 6.7.13 – PDF
Es wurden drei Verfahren zur Untersuchung eines Bodendenkmals geschildert: Geoelektrik, Geomagnetik und Bodenradar.
Die Qualität naturwissenschaftlicher Ergebnisse wird oft überschätzt, sodass sie kritisch hinterfragt werden müssen. Dazu ist ein Grundwissen um die angewandten Methoden und ihre spezifischen Fehlerquellen unumgänglich. So ist es beispielsweise eben in der Praxis oft unmöglich, eine exakte „Vermessung von Grundmauern“ vorzunehmen. Tatsächlich kann dies nur bei archäologischen Ausgrabungen geschehen.
Dies bedeutet aber unweigerlich die Zerstörung vieler Objekte, etwa von Gräbern oder Planierschichten. Deshalb werden entsprechend dem Denkmalschutzgesetz Grabungsgenehmigungen äußerst restriktiv vergeben.
Durch „geophysikalische Prospektion“ können aber – bei geeigneten Rahmenbedingungen – zerstörungsfrei wichtige Erkenntnisse über im Boden befindliche Strukturen gewonnen werden. Hierzu werden physikalische Eigenschaften der archäologischen Überreste gemessen. mehr . . .

Presse: 10.7.13 – merkur-online – tal
Mit Radiowellen Mauerreste der Burg finden

Laut Torsten Sjöberg, dem Vorsitzenden des Burgvereins, wurden bei einer Probemessung Türme und Gräben der alten Burg erkannt.

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13.4.2013 – Hornstein und seine Schlosskapelle
Führung von Monika Kroiss MA
Bericht von Monika Kroiss mit Bildern von Marianne Balder, 13.4.13 – PDF

30 Teilnehmer fanden sich ein zur Führung von Kunsthistorikerin Monika Kroiss über Hornstein und seine dem hl. Georg geweihte Schlosskapelle.

Der erste Teil des Ortsnamens, „Horn“, bezieht sich auf die nasenartig vorspringenden Endungen der Hügelrücken, in denen das Isar-Hochufer gegen den Fluss abfällt; der zweite Teil, „Stein“, geht auf den beim ehemaligen Schloss offen hervortretenden Nagelfluh zurück, einem natürlichen Gestein, das im Laufe von Jahrtausenden durch Verfestigung von Flussschotter entstanden ist – im Volksmund wird er auch „Herrgottsbeton“ genannt.
BV-W, Kunsthistorikerin Monika Kroiss MA Die Gegend um Hornstein wurde zunächst ab etwa 1200 v. Chr. durch die Kelten besiedelt. Zwischen Deisenhofen und Wolfratshausen gibt es zahlreiche mehr oder weniger gut erhaltene Keltenschanzen.
Möglicherweise waren hier bewohnte Gutshöfe der Mittelpunkt ländlicher Gemeinden.
Es könnte aber auch sein, dass die Kelten ihre Kultanlagen mit viereckigen Einfriedungen umgeben haben. Ab 15 v. Chr. wurden die Kelten von den Römern verdrängt.

Diese, von Bürgerkriegen bedrängt, zogen sich im 5. Jh. aus der Region zurück. Es folgten die Bajuwaren, von denen man annimmt, sie seien kein eigener Stamm gewesen, sondern eine Mischung aus Kelten, Germanen und gebliebenen Römern.

BV-W, Hornstein, Kapelle Innenraum

Hornstein, Kapelle St. Georg, Innenraum
Foto: Petra Keim

Die bajuwarische Gesellschaft war in Stände gegliedert: An der Spitze stand der Herzog, dann kamen die Adligen, die Freien und Freigelassenen und zuletzt die unfreien Knechte. Typisch für die Besiedelung durch die Bajuwaren sind die sog. Reihengräber, d.h., die Toten waren in Reihen bestattet, das Gesicht nach Osten zugewandt. Viele solcher Grabfelder gibt es in den Gemeinden Egling, Münsing, Dietramszell, und auch in Deining wurden in den 1930er-Jahren solche Reihengräber entdeckt . . .

Hornstein, Schlosskapelle St. Georg, Wappenfries

Die dem hl. Georg geweihte Schlosskapelle, die erstmals 1315 erwähnt wird, stand unmittelbar nördlich des Hofes. Sie wurde 1869 abgetragen, da sie den Hang hinunterzustürzen drohte, und wurde ca. 300 m südlich des Schlosses wieder aus den ursprünglichen Tuffsteinen im neoklassizistischen Stil aufgebaut.

Die Kapelle ist ein unverputzter Flachsattelbau, dessen Wandflächen durch Lisenen (Mauerblenden) gegliedert sind. Die Kapelle ist geostet und hat sieben Rundbogenfenster, im Süden drei, im Norden zwei und zwei innerhalb der Apsis. Hornsteiner Bürger haben die Kapelle Ende der 1960er-Jahre in Gemeinschaftsarbeit renoviert. Die Wände waren ursprünglich bemalt, die Restaurierung der Malerei war aus Kostengründen nicht möglich, so dass man die Malereien entfernte. Laut Aussage der langjährigen Mesnerin Josefa Unterholzner wurde aus dem ehemaligen Holzaltar Brennholz. Bei der Renovierung entschied man sich für eine schlichte Altarmensa aus Tuffstein. Der neue Altar wurde 1972 geweiht. mehr . . .

Info: Genealogie der frühen Thorer von Hornstein

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1.3.2013 – Burgen im Isartal
Vortrag von Helmut Schmidmeier
Bericht von Marianne Balder, 2.3.13 – PDF

Mit diesem Thema lockte der Topograf Helmut Schmidmeier 31 Interessierte zum Vereinstreffen ins Schützenhaus an der Geltinger Straße in Wolfratshausen.

Grundlage für seine Forschungsarbeit – im Rahmen des Arbeitskreises für Ortsgeschichtsforschung der Würmregion – war eine der Bayerischen Landtafeln von Philipp Apian (1531 bis 1589). Herzog Albrecht V. erteilte Apian 1554 den Auftrag, Bayern kartografisch zu erfassen. Die Vorbereitungen dauerten mehrere Sommer. Auf Pergament entstand eine 5x5m große Karte, die Grundlage für 24 Bayerische Landtafeln mit einer Fülle von topografischen Details war.

BV-W, Helmut Schmidmeier

Helmut Schmidmeier entdeckte 22 Burgställe (als Burgstall wird das Gelände bezeichnet, auf dem einmal eine Burg stand) zwischen München und Lenggries. Nicht alle werden hier aufgezählt.

BV-W, Burgen im Isartal, Vortrag H. Schmidmeier, 1.3.13 Die Burgenzeit beginnt um etwa 1000/1050 und endet unter Herzog Sigismund von Bayern-Wittelsbach (1439–1501). Burgen sicherten Grenzen, Verkehrswege, Brücken, und damit die Bewohner.

In München waren der Alte Hof und die Neue Veste aus dem 12. Jh. Burgen. Jede Burg braucht Bürger, die für die Herren arbeiten. Das war in der Stadt gegeben. Die Residenz Ludwig des Bayern wurde im 14. Jh. schon als Schloss erbaut und dann immer mehr erweitert.

Dann war die Zeit der Schlossburgen vorbei.

Die Wittelsbacher stritten untereinander, der Besitz wurde verteilt. Unter den Andechsern und den Wittelsbachern wurde den Bauern im Umland die Basisversorgung entzogen. Sie mussten so viele Abgaben leisten, dass sie in die Städte zogen.
Die große Römerstraße von Augsburg nach Salzburg kreuzte die Isar bei Baierbrunn (Baierprun). Wohl im 11. Jh. wurde da eine ungewöhnlich große Burg errichtet. Eine Zeit lang lebten dort bedeutende Dienstmänner der Wolfratshauser Grafen.
Durch kriegerische Angriffe wurde die Burg um 1420–22 bei Streitigkeiten zwischen Herzog Ludwig und seinen Münchner Vettern zerstört. mehr . . .

Presse
3.3.13 – merkur-online – Von Buckelquadern, Tonscherben und einem kleinen Wall

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4.1.2013 – Die Problematik der Ungarnwälle
Vortrag von Dr. Joachim Pechtl
Bericht von Marianne Balder, 5.1.13 – PDF

Bei dieser ersten Veranstaltung des Vereins in 2013 konnte der Vorsitzende Torsten Sjöberg 38 Teilnehmer begrüßen.

Der Archäologe Dr. Joachim Pechtl hielt einen Vortrag mit Bildmaterial zur Problematik der Ungarnwälle.
Vom Ural kommend begann die Wanderung der Ungarn im 9. Jh. in den Karpaten, sie nahmen Siebenbürgen und das heutige Ungarn in Besitz. Im 10. Jh. stießen die Reiterheere mehrfach bis in den süddeutschen Raum vor und verwüsteten weite Landstriche. Benediktbeuern wurde 933 geplündert und zerstört. Die ein halbes Jahrhundert dauernde Schlacht war 955 am Lechfeld zu Ende. Gräber aus der Zeit gibt es in Gnadendorf, Niederösterreich. Eine Pfeilspitze wurde in Grünwald gefunden.

BV-W, Ungarnwälle, Vortrag Dr. Joachim Pechtl

4.1.13 – Dr. Joachim Pechtl spricht über die Ungarnwälle
Foto: Ludwig Gollwitzer

Nach einer Burgenordnung hatte der König das Recht, Burgen zu bauen, er konnte es aber an seine Vasallen abtreten.
Den historischen Quellen zufolge wurden als Reaktion auf diese anhaltende Gefahr zahlreiche Fluchtburgen eilig zum Schutz der Bevölkerung errichtet. Wälle, die schnell angelegt werden mussten, waren nur Aufschüttungen aus Erde, die dann auch sehr schnell wieder verfielen. Mauertechniken bestanden im 10. Jh. für Gebäude aus Holz auf Trockensteinmauern, welche ohne Mörtel mit Erde verfüllt wurden. mehr . . .

Dr. Pechtl machte auch darauf aufmerksam, dass Sondenmessungen und andere Verfahren, die Eingriffe in den Boden benötigen, nur in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege vorgenommen werden dürfen.

Im Anschluss an diesen Vortrag wurden weitere Vorträge mit unterschiedlichen Referenten sowie Tagesausflüge angekündigt.

Presse
7.1.13 – SZ/Matthias Köpf – Verschüttete Geschichte
9.1.13 – merkur-online/njd – Altertumsprofi bietet seine Hilfe an

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