Tipps & Links

Dichtung und Wahrheit über die Burgen des Mittelalters
Dr. Joachim Zeune

Stark revisionsbedürftig ist unser vor allem im 18. und 19. Jahrhundert frei erfundenes Bild des finsteren und blutrünstigen Mittelalters, das – zerfurcht von Krieg, Fehde und brachialem Barbarentum – angeblich nichts kannte als Mord und Totschlag, Raubrittertum und den tag-täglichen Kampf ums nackte Überleben. Die Ursachen für dieses Bild lagen in einem steifen Bürokratentum, im extremen Rationalismus der Aufklärung, in einem morbiden Zeitgeist, in der hieraus resultierenden Sehnsucht nach einer anderen, aufregenderen Welt, in der Einzelpersonen noch Heldentaten vollbringen konnten. Man schuf ohne jegliche Grundlagenforschung eine Welt voller Mystik, Romantik, Gewalt und Heroik.

BV-W, Burg Trifels

Romantische Darstellung der
Burg Trifels im Pfälzerwald (Wikimedia)

Die Vergangenheitsflucht wucherte aus zu einer Massenbewegung und verunklarte die historische Wahrheit, die zudem niemanden sonderlich interessierte, galt es doch, dem trüben Alltag möglichst geschickt zu entkommen.

In einem so verstandenen kriegerischen Mittelalter konnte die Burg zu nichts anderem dienen als dem Krieg. In bewusster Ignoranz ihrer tatsächlichen Bauformen, Funktionen und Ausstattungen verkam die Burg bald zur theatralisch-monumentalen Kulisse eines dramatisch inszenierten Mittelalters, ständig belagert und umkämpft, vollgepackt mit Hundertschaften von Rittern, wild berannt von Tausendschaften. Da die Architektur unserer Burgen diesem Bild in der Realität nicht gerecht werden konnte, überformte man sie kurzerhand oder ersetzte sie durch dem-entsprechend monumentale und hyperwehrhafte Neubauten. In der Folge schuf eine Neukreation die andere, jedes Fantasieobjekt bedingte das nächste . . . Weiterlesen

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TV-Tipp: Die Burg im Mittelalter

Ritter spielten im Mittelalter eine wichtige Rolle in der Gesellschaft. Sie waren Krieger, die sich in den Dienst von Adeligen stellten. Dafür bekamen sie Land zur Verfügung, welches von Bauern bewirtschaftet wurde. Die Bauern lieferten an ihren Herrn Nahrungsmittel ab und genossen im Gegenzug dessen Schutz.

Ruine Hinterhaus, Wachau, Österreich

In szenischen Rekonstruktionen schildert die Sendung das Leben auf einer Ritterburg, erklärt ihren Aufbau und die Funktion der verschiedenen Räumlichkeiten. Die Burg war ein militärischer Stützpunkt, Verteidigung und Kampf spielten eine große Rolle. Die Söhne der Burgbesitzer wurden auf Nachbarburgen zu Rittern ausgebildet, bewiesen ihr kämpferisches Können in Turnieren und setzten es in Kriegen ein. Als die Waffen größer und stärker wurden, konnten Burgen den Angriffen der Feinde immer weniger standhalten und wurden zunehmend zerstört. – Text: SWR – Foto © Marianne Balder: Ruine Hinterhaus, Wachau, Österreich

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Ein Weg zum Areal der ehemaligen Burganlage

BVW BLfD, Plan Nr. 148, Detail Gedenkstein Burg Wolfratshausen   Beginnend neben dem Café Biermühle (Untermarkt 57) steigt man die Treppe empor bis zur Frauenkapelle. Weitere Stufen führen an zwei Kreuzwegkapellen vorbei bis zu einem Forstweg. Nach dessen Überquerung geht es bergan, gesichert von Holz- oder Metallgeländern. Mehrere Stationen informieren mit Wegekarten über den „Wald-Erlebnis-Pfad“. – Kartenausschnitt anklicken zum Vergrößern! –
Vorbei an einem Podest ist man nach wenigen Schritten an der Bergkante.
Rechts dem Stacheldrahtzaun einer Viehweide entlang bis zu einer kleinen Senke folgend und diese passierend geht man geradeaus bis zu dem Gedenkstein.
Hier kann man das Areal erobern und seiner Fantasie freien Lauf lassen.
Ausschnitt Karte: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege, Archäologisches Planarchiv, Plan Nr. 148, Aufnahme Max Spindler, 1951
 

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Weiterführende Links:

Stadtarchiv Wolfratshausen
Heimatmuseum Wolfratshausen
Lupi Albi, „kleiner Söldnerhaufen“
Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege
Bayerische Vermessungsverwaltung
Haus der Bayerischen Geschichte
Die Staatlichen Archive in Bayern
Bayerisches Hauptstaatsarchiv
Staatsarchiv München
Archive in München
Denkmalnetz Bayern
Förderverein Burgruine Hohenburg e.V., Lenggries
Zeune Büro für Burgenforschung, Eisenberg-Zell
Wikipedias Portal Burgen und Schlösser
Burgenwelt
• Forschungshilfe: Historische Werte-Datei: Preise, Löhne Erträge von Toni Drexler, Kreisheimatpfleger Fürstenfeldbruck

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